Feigen: Das legale Doping der Antike
Es ist die Erntezeit, d.h. die Zeit des Jahres, in der man sich nicht genug an all dem frischen Kern- und Steinobst, das gerade reif und saftig an den Bäumen und Sträuchern hängt, satt essen kann. Der Fokus in unseren Gärten liegt auf Früchten wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Beeren. Daneben hat jedoch auch eine unscheinbare Frucht Saison: die Feige.

Wenn man an Feigen denkt, dann denkt man an den Mittelmeerraum, wo es einfach wärmer und sonniger ist als in unseren Gefilden. Aber auch in Deutschland gibt es Standorte, an denen Sorten gut angebaut werden können, die robuster und selbstbefruchtbar sind, d.h. die nicht die Feigengallwespe zur Bestäubung benötigen.
So bieten Weinbaugebiete wie etwa die Pfalz und geschützte Lagen wie die Rheinebene gute Bedingungen für den Anbau. Aber auch das städtische Klima von Städten wie Frankfurt, Mannheim oder Köln sind durchaus vorteilhaft für den eigenen Feigenbaum im Garten.
Je nach Sorte sind bei den heimischen Sorten ein bis zwei Ernten pro Jahr, von Juli bis November möglich.
Das kraftvolle Superfood der Antike
Bevor wir uns die Superkräfte der Feige näher anschauen, lasst uns einen Blick auf ihre interessante Geschichte werfen.
Bereits in der Bibel wird der Feigenbaum (Ficus carica) als einzige Pflanze im Garten Eden namentlich erwähnt. Er war der Baum der Erkenntnis, von dem Adam und Eva aßen:
“6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.”
-- Genesis 3,6-7
Die Feigen sind nicht nur eine sehr leckere Delikatesse, sie sind auch eine uralte Heilpflanze mit einer tiefen Symbolik in den verschiedensten Religionen und Kulturkreisen, die z.B. mit Fruchtbarkeit, Wohlstand und Überfluss, Erkenntnis oder Vitalität in Verbindung steht.
Bereits vor über 11.000 Jahren wurde die Feige in der sogenannten Halbmond-Region (heute östliches Mittelmeer, Iran, Irak, Palastina, Syrien) angebaut. Sie zählt somit zu einer der ältesten Kulturpflanzen, wenn nicht gar die ältseste kultivierte Nutzpflanze der Welt. Der Getreideanbau entwickelte sich erst ein einige Jahrhunderte später.
In der Antike war sie in Ägypten und dem Römischen Reich als Grundnahrungsmittel sehr geschätzt und gelangte schließlich in Regionen, wie z.B. Griechenland, Spanien, Italien oder Kroatien. Noch heute wird sie in Europa v.a. in den mediterranen Regionen angebaut. Die größten Produzenten sind die Türkei und Ägypten.
Die weltweite Produktion von getrockneten Feigen stieg in der Saison 2025/2026 laut Bericht es International Nut and Dried Fruit Council (INC) um rund 21% auf 166.800 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr.
Feigen - Die Superfrucht der Zukunft
Da die weltweite Feigenproduktion in den kommenden Jahren voraussichtlich stetig steigen wird, sind Feigen auf dem besten Weg, zu einer weit verbreiteten „Superfrucht“ zu werden.
Von den “Brot und Spielen” im Römischen Reich hat bestimmt jeder schon gehört. Wusstet ihr, dass die Athleten vor den Wettkämpfen Feigen als kraftspendende und leistungssteigernde Nahrung aßen?
Also lasst uns die Feige näher betrachten, was machte sie bereits vor tausenden von Jahren so wertvoll für die Menschen?
Durch ihren relativ hohen Eisengehalt und Anteil an Potassium wirken sie blutdrucksenkend, unterstützen die Blutbildung und sind gut für unser Herz.
Sie sind aber auch reich an Flavonoiden, Vitamin E und anderen Mineralstoffen wie z.Bsp. Kalium, Magnesium, Phosphor oder Zink. Aufgrund ihres Gehaltes an Antioxidanten, Polyphenolen und sekundären Pflanzenstoffen wirken sie entzündungshemmend.
Für Vegetarier und Veganer besonders interessant ist der Fakt, dass sie bereits 5.5 Prozent der empfohlenden Tagesdosis an allen wichtigen B-Vitaminen beinhalten und eine gute pflanzliche Quelle für Vitamin K und Kalzium sind. Sie sind also kleine Kraftpakete für unsere Nerven und Knochen.
Übrigens: der mineralische Inhalt von Feigen ähnelt stark dem von menschlicher Milch und enthält doppelt soviel Kalzium wie Kuhmilch.
Feigen schubsen die Verdauung an und stärken unsere Darmflora, denn sie enthalten sättigende Ballaststoffe (besonders in der Schale) und auch verdauungsfördernde Enzyme. Ihre kleinen, unverdaulichen Kerne quellen im Darm auf und wirken somit auch reinigend.
Feigen bestehen zu 80 Prozent aus Wasser. Insbesondere für diejenigen unter uns, die auf ihr Gewicht achten, können diese kleine hydrierenden Sattmacher ein gesunder Snack sein, der den Appetit zügelt und so ein Überessen an kalorienreichen Snacks verhindern kann.
Und, was sie als Superfood sehr besonders macht, sie gelten als eines der stärksten basischen Lebensmittel. Mit einem PRAL-Wert von -20 sind getrocknete Feigen die Spitzenreiter unter den basisch wirkenden Lebensmitteln. D.h. wenn man viel säurebildende Lebensmittel wie etwa Fleisch und Wurst, Kaffee, Milchprodukte oder Sojaprodukte konsumiert, dann können Feigen helfen, den Säure-Basen-Haushalt wieder auszugleichen. Eine basische Ernährung fördert unsere allgemeine Gesundheit auf vielen Ebenen.
Kurz gesagt: Feigen sind wahrhaftig ein leckeres Superfood, dass stärkend, anregend und reinigend wirken.
Wie geniesst man die Feige am besten?
Feigen schmecken sowohl im frischen als auch im getrocknetem Zustand. Eine kulinarische Besonderheit sind sie in Form von Konfitüre, Dessertwein, Käse oder auch Kaffee, die allesamt aus Feigen hergestellt werden.
Die frischen Früchte schmecken leicht süßlich und sind nicht nur pur ein Genuß. Sie können sehr kreativ in der Küche verarbeitet werden, etwa passen sie gut zu Salate oder Pastagerichten. Zu Aufläufen überbacken im Ofen sind sie eine tolle Delikatesse. Aber auch gebacken in Kuchen und Torten sind sie einfach nur lecker.
Und denkt dran: die Schale kann ebenso gegessen werden.
Frische Feigen sind sehr sensibel, was ihre Lagerung angeht. Man sollte Druck vermeiden und sie gekühlt aufbewahren. Entsprechend sollte auch das Waschen und Putzen vor dem Verzehr vorsichtig erfolgen. Da sie auch nicht lange haltbar sind, werden sie gerne auch in getrockneter Form verzehrt.
Getrocknet sind sie ein wahres Kraftpaket, dass monatelang haltbar ist. Die getrockneten Feigen sind besonders nährstoffreich, aber sie enthalten auch mehr Fruchtzucker, weshalb sie auch wesentlich süßer als die frischen Feigen schmecken. Sie passen gut zu Müsli oder Haferbrei. In Kombination mit Nüssen sind sie besonders lecker.
Ein kleiner Tip:
Es lohnt sich eine kleine Portion getrocknete Feigen in der Tasche dabei zu haben. Damit ist ein kraftvoller Snack immer griffbereit.
Es ist sehr leicht nachvollziehbar, warum Feigen bereits in der Antike so sehr geschätzt wurden. Nicht nur für die Athleten im Römischen Reich waren sie ein idealer Snack. Auch heute können sie den Sportlern unter uns einen gesunden Energieschub geben und sind weiterhin ein wundervolles Grundnahrungsmittel, in dem viel steckt.
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Bildquelle: Foto von Irina Alekseevskaya auf Pexels
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